Hebelprodukte vs. Echte Optionen
In Deutschland handeln die meisten Retail-Trader mit Knock-Outs und Turbos statt mit echten Optionen. Das ist problematisch - und hier erfährst du warum.
Warum dieses Kapitel wichtig ist
Bevor du dich mit GEX beschäftigst, solltest du die Unterschiede zwischen Hebelprodukten und echten Optionen verstehen. GEX-Daten kannst du für das Trading aller Instrumente nutzen - auch für Hebelprodukte, um bessere Entry/Exit-Punkte zu finden. Trotzdem zeigt dieses Kapitel dir die statistischen und strukturellen Nachteile von Knock-Outs und Turbos, damit du informierte Entscheidungen triffst.
BaFin-Studie 2019-2023: Die harten Fakten
der Kleinanleger verlieren Geld
durchschnittlicher Verlust pro Person
Gesamtverluste in 5 Jahren
betroffene Anleger
Quelle: BaFin Marktuntersuchung zu Turbo-Zertifikaten, 2024
Was sind Hebelprodukte?
In Deutschland werden statt echter börsengehandelter Optionen meist strukturierte Produkte angeboten:
Knock-Out Zertifikate
Haben eine Knock-Out-Schwelle. Bei Erreichen wird das Produkt wertlos.
Turbo-Zertifikate
Ähnlich wie Knock-Outs, oft mit noch höherem Hebel und engerem Knock-Out.
Optionsscheine (Warrants)
Von Banken emittiert, nicht börsengehandelt. Der Emittent stellt die Preise.
Faktor-Zertifikate
Konstanter Hebel, aber mit täglichem Reset und Pfadabhängigkeit.
Die Probleme
Knock-Out = Totalverlust
Erreicht der Kurs die Schwelle - auch nur kurz, auch außerbörslich - ist dein Geld sofort und endgültig weg. Bei echten Optionen kannst du Verluste aussitzen.
Emittentenrisiko
Zertifikate sind Schuldverschreibungen der Bank. Geht der Emittent pleite (wie Lehman 2008), ist dein Geld Teil der Insolvenzmasse. Echte börsengehandelte Optionen haben dieses Risiko nicht.
Interessenkonflikt
Der Emittent ist gleichzeitig dein Handelspartner und Market Maker. Er stellt die Kurse und profitiert, wenn du verlierst. Bei echten Optionen tradest du gegen andere Marktteilnehmer.
Keine echte Preisfindung
Es gibt keinen echten Markt mit Angebot und Nachfrage. Die Bank bestimmt den Spread und kann den Handel jederzeit aussetzen.
📊 Die mathematischen Nachteile
Selbst wenn du ein guter Trader bist - die Mathematik arbeitet bei Hebelprodukten gegen dich. Diese Effekte sind bei echten Optionen nicht vorhanden.
📉Volatility Decay (Pfadabhängigkeit)
Bei Faktor-Zertifikaten und täglichem Reset: Der Weg ist wichtiger als das Ziel. Selbst wenn der Basiswert am Ende gleich steht, kannst du massiv verlieren.
Rechenbeispiel: AffenCorp mit 3x Hebel
Tag 1: AffenCorp fällt 5% (100€ → 95€)
Tag 2: AffenCorp steigt 5,26% (95€ → 100€)
Basiswert: ±0% (wieder bei 100€)
Tag 1: 3x Hebel fällt 15% (100€ → 85€)
Tag 2: 3x Hebel steigt 15,79% (85€ → 98,42€)
3x Produkt: -1,58% Verlust!
Reales Beispiel 2022: Der Nasdaq-100 fiel etwa 33% im Jahr. Das 3x gehebelte TQQQ fiel 71% - mehr als doppelt so viel wie der einfache 3x-Multiplikator vermuten lässt.
🔄Je mehr du tradest, desto mehr verlierst du
Die BaFin-Studie zeigt einen erschreckenden Zusammenhang zwischen Handelsfrequenz und Verlusten:
Verlustquote bei 1-10 Trades
Verlustquote bei 10-100 Trades
Verlustquote bei 100-500 Trades
Bei echten Optionen ist das nicht so - erfahrene Optionshändler haben oft bessere Ergebnisse als Anfänger, weil sie die Greeks verstehen und Risiko managen können.
🇪🇺EU-weite ESMA-Statistiken
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat ähnliche Ergebnisse für gehebelte Produkte EU-weit festgestellt:
der Retail-Konten verlieren Geld mit CFDs und gehebelten Produkten
durchschnittlicher Verlust pro Kunde je nach Land
Quelle: ESMA Product Intervention Measures, 2018
Direkter Vergleich
| Eigenschaft | Hebelprodukte | Echte Optionen |
|---|---|---|
| Handelsplatz | OTC / Emittent | Börse (CBOE, Eurex) |
| Gegenpartei | Die Bank | Clearing-Stelle |
| Totalverlust bei Schwelle | Ja (Knock-Out) | Nein |
| Emittentenrisiko | Ja | Nein |
| Preisfindung | Emittent | Markt |
| Greeks nutzbar | Eingeschränkt | Vollständig |
| Fließt in GEX-Berechnung ein | Nein | Ja |
| Strategien (Spreads etc.) | Sehr begrenzt | Alle möglich |
📊 GEX-Daten für alle Instrumente nutzen
Wichtig: Auch wenn Hebelprodukte nicht in die GEX-Berechnung einfließen, kannst du GEX-Daten trotzdem nutzen, um bessere Trading-Entscheidungen zu treffen - egal welches Instrument du handelst.
GEX-Levels als Support/Resistance
Hohe GEX-Levels auf SPX oder DAX wirken wie Magneten. Diese Levels gelten auch, wenn du mit Knock-Outs oder Turbos handelst - der Basiswert reagiert auf dieselben Level.
Gamma Flip für Volatilität
Der Gamma Flip zeigt dir, wann der Markt volatiler wird. Das ist besonders wichtig für Hebelprodukte mit Knock-Out-Schwelle - du weißt, wann du vorsichtiger sein solltest.
Entry/Exit optimieren
Nutze GEX-Levels für bessere Entries: Kaufe nahe positiven GEX-Levels (Support), setze Stop-Loss unter negativen GEX-Levels (wo Bewegungen verstärkt werden).
Market Maker verstehen
GEX zeigt dir, wo Market Maker hedgen müssen. Diese Flows beeinflussen den Basiswert - unabhängig davon, ob du Optionen, Futures oder Hebelprodukte handelst.
Fazit: GEXLab hilft dir auch beim Handel mit Hebelprodukten, bessere Level zu finden. Trotzdem bleiben die strukturellen Nachteile von Knock-Outs bestehen - GEX kann dir nicht helfen, wenn dein Produkt ausgeknockt wird, bevor der Markt dreht.
Warum ist das in Deutschland so?
Historische Gründe: In Deutschland wurden Hebelprodukte von Banken aggressiv vermarktet, während echte Optionen als "zu kompliziert" dargestellt wurden.
Regulierung: Echte US-Optionen sind für deutsche Retail-Anleger schwerer zugänglich (Interactive Brokers, etc.), während Zertifikate über jede Hausbank handelbar sind.
Marketing: Banken verdienen gut an Hebelprodukten und haben wenig Interesse daran, echte Optionen zu promoten.
BaFin-Reaktion (2025): Die BaFin hat erkannt, dass Turbo-Zertifikate problematisch sind und verschärft die Regeln. Ab Juni 2026 gelten neue Vermarktungsbeschränkungen.
Die Alternative: Echte Optionen verstehen
Mit dem richtigen Wissen kannst du echte Optionen handeln und die gleichen Tools nutzen wie institutionelle Trader. Das ist, was wir bei GEXLab ermöglichen.