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Hebelprodukte vs. Echte Optionen

In Deutschland handeln die meisten Retail-Trader mit Knock-Outs und Turbos statt mit echten Optionen. Das ist problematisch - und hier erfährst du warum.

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Warum dieses Kapitel wichtig ist

Bevor du dich mit GEX beschäftigst, solltest du die Unterschiede zwischen Hebelprodukten und echten Optionen verstehen. GEX-Daten kannst du für das Trading aller Instrumente nutzen - auch für Hebelprodukte, um bessere Entry/Exit-Punkte zu finden. Trotzdem zeigt dieses Kapitel dir die statistischen und strukturellen Nachteile von Knock-Outs und Turbos, damit du informierte Entscheidungen triffst.

BaFin-Studie 2019-2023: Die harten Fakten

74,2%

der Kleinanleger verlieren Geld

6.358€

durchschnittlicher Verlust pro Person

3,4 Mrd.€

Gesamtverluste in 5 Jahren

543.000

betroffene Anleger

Quelle: BaFin Marktuntersuchung zu Turbo-Zertifikaten, 2024

Was sind Hebelprodukte?

In Deutschland werden statt echter börsengehandelter Optionen meist strukturierte Produkte angeboten:

Knock-Out Zertifikate

Haben eine Knock-Out-Schwelle. Bei Erreichen wird das Produkt wertlos.

Turbo-Zertifikate

Ähnlich wie Knock-Outs, oft mit noch höherem Hebel und engerem Knock-Out.

Optionsscheine (Warrants)

Von Banken emittiert, nicht börsengehandelt. Der Emittent stellt die Preise.

Faktor-Zertifikate

Konstanter Hebel, aber mit täglichem Reset und Pfadabhängigkeit.

Die Probleme

💀

Knock-Out = Totalverlust

Erreicht der Kurs die Schwelle - auch nur kurz, auch außerbörslich - ist dein Geld sofort und endgültig weg. Bei echten Optionen kannst du Verluste aussitzen.

🏦

Emittentenrisiko

Zertifikate sind Schuldverschreibungen der Bank. Geht der Emittent pleite (wie Lehman 2008), ist dein Geld Teil der Insolvenzmasse. Echte börsengehandelte Optionen haben dieses Risiko nicht.

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Interessenkonflikt

Der Emittent ist gleichzeitig dein Handelspartner und Market Maker. Er stellt die Kurse und profitiert, wenn du verlierst. Bei echten Optionen tradest du gegen andere Marktteilnehmer.

🔒

Keine echte Preisfindung

Es gibt keinen echten Markt mit Angebot und Nachfrage. Die Bank bestimmt den Spread und kann den Handel jederzeit aussetzen.

📊 Die mathematischen Nachteile

Selbst wenn du ein guter Trader bist - die Mathematik arbeitet bei Hebelprodukten gegen dich. Diese Effekte sind bei echten Optionen nicht vorhanden.

📉Volatility Decay (Pfadabhängigkeit)

Bei Faktor-Zertifikaten und täglichem Reset: Der Weg ist wichtiger als das Ziel. Selbst wenn der Basiswert am Ende gleich steht, kannst du massiv verlieren.

Rechenbeispiel: AffenCorp mit 3x Hebel

Tag 1: AffenCorp fällt 5% (100€ → 95€)

Tag 2: AffenCorp steigt 5,26% (95€ → 100€)

Basiswert: ±0% (wieder bei 100€)

Tag 1: 3x Hebel fällt 15% (100€ → 85€)

Tag 2: 3x Hebel steigt 15,79% (85€ → 98,42€)

3x Produkt: -1,58% Verlust!

Reales Beispiel 2022: Der Nasdaq-100 fiel etwa 33% im Jahr. Das 3x gehebelte TQQQ fiel 71% - mehr als doppelt so viel wie der einfache 3x-Multiplikator vermuten lässt.

🔄Je mehr du tradest, desto mehr verlierst du

Die BaFin-Studie zeigt einen erschreckenden Zusammenhang zwischen Handelsfrequenz und Verlusten:

70%

Verlustquote bei 1-10 Trades

78%

Verlustquote bei 10-100 Trades

83%

Verlustquote bei 100-500 Trades

Bei echten Optionen ist das nicht so - erfahrene Optionshändler haben oft bessere Ergebnisse als Anfänger, weil sie die Greeks verstehen und Risiko managen können.

🇪🇺EU-weite ESMA-Statistiken

Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat ähnliche Ergebnisse für gehebelte Produkte EU-weit festgestellt:

74-89%

der Retail-Konten verlieren Geld mit CFDs und gehebelten Produkten

1.600€ - 29.000€

durchschnittlicher Verlust pro Kunde je nach Land

Quelle: ESMA Product Intervention Measures, 2018

Direkter Vergleich

EigenschaftHebelprodukteEchte Optionen
HandelsplatzOTC / EmittentBörse (CBOE, Eurex)
GegenparteiDie BankClearing-Stelle
Totalverlust bei SchwelleJa (Knock-Out)Nein
EmittentenrisikoJaNein
PreisfindungEmittentMarkt
Greeks nutzbarEingeschränktVollständig
Fließt in GEX-Berechnung einNeinJa
Strategien (Spreads etc.)Sehr begrenztAlle möglich

📊 GEX-Daten für alle Instrumente nutzen

Wichtig: Auch wenn Hebelprodukte nicht in die GEX-Berechnung einfließen, kannst du GEX-Daten trotzdem nutzen, um bessere Trading-Entscheidungen zu treffen - egal welches Instrument du handelst.

GEX-Levels als Support/Resistance

Hohe GEX-Levels auf SPX oder DAX wirken wie Magneten. Diese Levels gelten auch, wenn du mit Knock-Outs oder Turbos handelst - der Basiswert reagiert auf dieselben Level.

Gamma Flip für Volatilität

Der Gamma Flip zeigt dir, wann der Markt volatiler wird. Das ist besonders wichtig für Hebelprodukte mit Knock-Out-Schwelle - du weißt, wann du vorsichtiger sein solltest.

Entry/Exit optimieren

Nutze GEX-Levels für bessere Entries: Kaufe nahe positiven GEX-Levels (Support), setze Stop-Loss unter negativen GEX-Levels (wo Bewegungen verstärkt werden).

Market Maker verstehen

GEX zeigt dir, wo Market Maker hedgen müssen. Diese Flows beeinflussen den Basiswert - unabhängig davon, ob du Optionen, Futures oder Hebelprodukte handelst.

Fazit: GEXLab hilft dir auch beim Handel mit Hebelprodukten, bessere Level zu finden. Trotzdem bleiben die strukturellen Nachteile von Knock-Outs bestehen - GEX kann dir nicht helfen, wenn dein Produkt ausgeknockt wird, bevor der Markt dreht.

Warum ist das in Deutschland so?

Historische Gründe: In Deutschland wurden Hebelprodukte von Banken aggressiv vermarktet, während echte Optionen als "zu kompliziert" dargestellt wurden.

Regulierung: Echte US-Optionen sind für deutsche Retail-Anleger schwerer zugänglich (Interactive Brokers, etc.), während Zertifikate über jede Hausbank handelbar sind.

Marketing: Banken verdienen gut an Hebelprodukten und haben wenig Interesse daran, echte Optionen zu promoten.

BaFin-Reaktion (2025): Die BaFin hat erkannt, dass Turbo-Zertifikate problematisch sind und verschärft die Regeln. Ab Juni 2026 gelten neue Vermarktungsbeschränkungen.

Die Alternative: Echte Optionen verstehen

Mit dem richtigen Wissen kannst du echte Optionen handeln und die gleichen Tools nutzen wie institutionelle Trader. Das ist, was wir bei GEXLab ermöglichen.